Dem Patienten auf der Spur

Patienten

Ein hausinternes Ortungs- oder Positionierungs-System dient zur Erkennung des Standortes einer Person (z.B. eines Patienten in einem Spital) oder eines Gegenstandes innerhalb von Gebäuden. Dies ist meist notwendig, wenn Signale von Satelliten oder öffentlichen Mobilfunknetzen für die Ortung und Navigation nicht stark genug sind.

Technisch geschieht das mit Licht, Funksignalen, Magnetfeldern, Tönen, oder anderen Informationen.

Dabei dienen bekannte Standorte von z.B. WLAN Access Points, Bluetooth Beacons, der Erdmagnetismus oder Informationen von zuvor bekannten Standorten zur Berechnung der aktuellen Position.

Durch die Ausbreitungscharakteristiken von Funkwellen und deren Beeinflussung durch örtliche Gegebenheiten wie Metalldächer oder Stahlgerüste ist der Einsatz öffentlich angebotener Navigationsdienste per Satelliten im Inhouse-Bereich umstritten. Stattdessen sind häufig lokale Funktechniken wie DECT, Bluetooth, RFID oder WLAN in Verwendung.

Jede der weiter oben beschriebenen und am Markt verfügbaren Technologien hat unterschiedliche Eigenschaften sowie verschiedene Vor- und Nachteile. Abhängig von der gewählten Technologie ergibt sich eine Genauigkeit bei der Ortung von Personen oder Gegenständen im Zentimeter- bis Meter-Bereich. Neben der Positionsgenauigkeit ist auch die Zeitdauer interessant, bis eine Position errechnet wurde.

Gerade bei Alarmierungssystemen für die Patienten-Betreuung ist die Zeitsynchronisation sehr wichtig, sollen doch gleichzeitig stattfindende Ereignisse mit Zeitstempel versehen gemeldet werden, um später eine Korrelation der Daten zu gewährleisten. Zur Synchronisation der eingesetzten Geräte wird immer häufiger das Precision Time Protocol (PTP) laut IEEE 1588 eingesetzt.

Die Hersteller entwickeln Lösungen für unterschiedliche Märkte: öffentliche Räume und Plätze (z.B. Bahnhöfe, Shopping Center, Veranstaltungsorte), Handel, Industrie, Transport, Gesundheitswesen und andere Anwendungen.

Im Bereich Gesundheitswesen sind speziell folgende Funktionen interessant:

  • Definition von zu überwachenden Gebieten oder Zonen
  • Paniktasten und deren permanente Überwachung
  • Alarmierung von definierten Ereignissen
  • Weiterleitung von Alarmen an definierte Ziele (intern an Mitarbeiter, Security-Personal und extern, z.B. Feuerwehr)
  • Bereitstellung von Evakuierungsinformationen
  • Positionserkennung von Patienten, Personal und hochwertiger Gegenstände
  • Identifikation aktiver Geräte, deren Funktion und deren Position
  • Orientierungshilfe für Patienten und Besucher (z.B. mit Weganzeige zu Behandlungsräumen oder Besprechungszimmern, Sprachausgabe für Blinde und Sehbehinderte)
  • Einbindung von Smartphones zur Darstellung von Positionen oder Bewegungen, Alarmen, usw.
  • Kombination von Indoor-Positionsdaten und Outdoor-GPS-Daten zur lückenlosen Erfassung von Aktivitäten
  • Verwaltung von Behandlungsräumen
  • Verwaltung von Patienten (von Aufnahme bis Entlassung)
  • Verwaltung mobiler Geräte

Erforderliche Systemelemente

Je nach Hersteller, Lösung und gewählter Technologie sind folgende Komponenten erforderlich:

  • DECT-Basisstationen
  • Bluetooth-Empfänger
  • Paniktasten
  • Tags (RFID, Bluetooth)
  • Bluetooth ID-Badges (eventuell mit integrierter Paniktaste)
  • DECT-Schnurlostelefon
  • Smartphones
  • Smartphone-App (achten Sie auf das unterstützte Betriebssystem)
  • Software zur Bereitstellung von Kartenmaterial
  • Software zur Positionserkennung (mit Darstellung der aktuellen Position oder des Weges)
  • Software zur Auswertung von Bewegungsprofilen (z.B. wo stand eine Person wie lange, welcher Weg wurde wie häufig frequentiert, Analyse, welche Gestaltung welche Auswirkungen auf die Besucher hatte, wie hat der Besucher mit dem System interagiert, etc.)
  • Cloud-Dienste zur Standort-unabhängigen Ortung und Navigation
  • Managementsystem zur Verwaltung der Infrastruktur
  • SDKs zur Entwicklung von Zusätzen für bestehende Lösungen

Eine Verknüpfung von Ortungs- und Navigationssystemen mit Unified Communications-Lösungen bietet viele Vorteil.

Einer kann sein, dass Alarmrufe (z.B. bei Betretungen von Schutzzonen, Wechsel von Räumen oder Entfernen von teuren Geräten während einer Evakuierung) an die richtigen Stellen verteilbar sind.

Ein anderer Vorteil kann es sein, z.B. im Fall von Bränden, durch vordefinierte Durchsagetexte oder Push-Anzeigen auf IP-Telefonapparaten mit größeren Displays auf Fluchtwege hinzuweisen.

Über den Autor

Ronald Schlager ist unabhängiger Trainer, Consultant, Buchautor und Blogger mit den Schwerpunkten Kommunikationstechnologien und deren Anwendungen. Gereiht als #23 in Onalytica´s List of Top 100 Influencers of “Unified Communications”

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Quelle Beitragsbild: pixabay.com, Künster: mcmurryjulie