Infrastruktur für Videokonferenzen

Videokonferenz

Zur Nutzung von Videokonferenzen sind verschiedene Elemente erforderlich. Der folgende Artikel beschreibt die wesentlichen Komponenten einer Videokonferenzlösung und einige wichtige Auswahlkriterien.

 

Kameras

Videokameras sind das bestimmende Element der sichtbaren Qualität Ihrer Videokonferenzlösung. Sie unterscheiden sich grundsätzlich je nach Anwendungsfall, Raumgröße oder Anzahl der Teilnehmer pro Raum.

Überlegen Sie, ob Sie unbewegliche oder schwenkbare Kameras benötigen, die dem Sprecher automatisch folgen, das Gesicht heranzoomen oder ein großes Auditorium in der Totale aufnehmen. Oder wollen Sie eine mobile Kamera, mit der Sie Objekte auch händisch filmen wollen, um den Teilnehmern etwaige Details zu zeigen?

Soll Ihre Kamera auch Töne aufnehmen und weiterleiten? Dann benötigen Sie mindestens ein eingebautes Mikrofon, für große Konferenzräume eventuell sogar ein zweites. Fragen Sie auch, ob die Audioübertragung zum Rest Ihrer Videokonferenzlösung über die gleiche Schnittstelle läuft, über die Videos übertragen werden?

Fragen zu Optik sowie Audio- und Codierungstechniken finden Sie in anderen Blogbeiträgen.

Bevorzugen Sie IP-basierte Digitalkameras vor proprietären digitalen oder analogen Kameras. Achten Sie auf die Stromversorgung. Viele Kameras lassen sich über Power over Ethernet (PoE) fremdversorgen.

 

Telefonapparate für Konferenzen

Viele Lösungen binden Standard-Telefonapparate (analog, digital, IP) und Mobiltelefone (speziell auch Smartphones) direkt oder über Adapter ein.

 

Spezialapparate, Konferenzspinnen

Sind spezielle Telefonapparate (heute meist IP-Hardphones), die direkt in die Konferenzlösung integriert sind und mit mehreren Mikrofonen Töne aus allen Richtungen mit sehr guter Qualität aufnehmen. Mechanisch sind verschiedene Varianten (z.B. Konferenzspinnen, oder runde Gehäuse mit zentralem Lautsprecher, auch für mobile Anwendungen) erhältlich, Einige der Spezialapparate verfügen über große berührungsempfindliche Farbanzeigen.

 

Displays

Je nach Einsatzfall sind unterschiedliche Eigenschaften der Displays erforderlich. Achten Sie auf Helligkeit und Kontrast, da sie meist bei Tageslicht in Einsatz sind. Größe und Auflösung (bis 4k bzw. 8k) sind abhängig von der Distanz, aus der Anwender die Darstellungen betrachten. Für Spezialfälle sind Multiscreen-Displays interessant (z.B. bei Großraumanwendungen, Überwachungsplätzen oder Einsatzzentralen). Wie wollen Sie die Displays montieren? Ist Beweglichkeit mit einem Schwenkarm interessant oder eine fixe Überkopfmontage? Oder benötigen Sie generell einen mobilen Monitor? Wie lange soll der Betrieb eines Displays pro Tag dauern? Wie kann die erzeugte Abwärme abgeleitet werden? Welche Anschlüsse sind gewünscht? Benötigen Sie eine direkte IP-Netzanbindung, eine digitale Videoschnittstelle, ein USB-Port oder eine traditionelle serielle Schnittstelle? Soll die Oberfläche berührungsempfindlich sein, um z.B. Menüs oder andere dargestellte Teile auf der Anzeige unmittelbar auszuwählen oder darauf zu zeichnen (Whiteboard-Funktion)?

 

Möbel

Speziell bei Konferenzlösungen mit sehr großen Bildschirmen zur Darstellung mehrerer Gesprächspartner in einer Reihe (sogenannte Telepräsenzlösungen) sind zusätzliche Möbel (Tische) interessant, an denen die Konferenzteilnehmer Platz nehmen und sehr ähnlich wie bei einer echten Besprechung ihr Gegenüber in Lebensgröße sehen.

 

Apps

Je nach Lösung sind zur Bereitstellung von Konferenzdiensten Zusatzprogramme in den Endgeräten erforderlich. Nach Installation dieser Apps kann der Desktop-Computer oder das Notebook an einer Konferenz teilnehmen.

Apps gibt es auch für Displays, um z.B. Start-Bildschirme darzustellen, Redezeiten einzublenden oder einfach um die Displays zu konfigurieren, Signalquellen auszuwählen und anderes.

 

WebRTC

Immer mehr Lösungen unterstützen den Standard WebRTC, der die Teilnahme an Konferenzen über den Webbrowser erlaubt. Installation von Zusatzsoftware entfällt.

 

Server

Stellen Konferenzdienste für Sprache, Video und Zusammenarbeit von Teams bereit. Verfügbar als On-Premises-, Hybrid- oder Cloud-Lösung.

Der Server unterstützt Punkt-zu-Punkt- und Mehrpunktverbindungen zwischen Endgeräten auf verschiedenen Standorten. Fragen Sie nach den Endgerätetypen, die der Server unterstützt und wie diese einzubinden sind.

Die Ausführungen der Server reichen von Hardware-basierten Geräten über virtualisierte Lösungen, bis hin zu Cloud-Diensten.

 

Recording

Für Fälle, bei denen eine Aufzeichnung von Konferenzen wünschenswert ist, überprüfen Sie, ob die gewünschte Server-Lösung Aufzeichnungen erlaubt. Fragen Sie, welche Informationen aufgezeichnet werden können, z.B. Audio, oder Audio plus Video, Datasharing, Chats, usw. Auch die kombinierte Aufzeichnung unterschiedlicher Informationsflüsse (-kanäle) kann interessant sein für Sie, z.B. bei Seminaren oder Vorträgen. Definieren Sie die Art der Nutzung der Aufzeichnungen, damit Sie die Lösung langfristig nutzen können.

 

Zugangskontrolle

Es sollen viele Anwender des eigenen Unternehmens und externer Partner an Videokonferenzen teilnehmen? Fragen Sie nach Systemen oder Diensten, die den Zugang der Anwender zentral überwachen und steuern. Sind dazu Virtual Private Network- (VPN-) Sitzungen über IP-Netze erforderlich, benötigen Sie vielleicht zusätzliche VPN-fähige Clients und -Sicherheitssysteme (z.B. Firewall oder VPN-Gateway).

 

Kommunikationssicherheit

Schützen Sie Ihre Infrastruktur ausreichend auch für Videokonferenzen mit ITU-T H.323- oder SIP-Protokollen? Sind Ihre bestehenden Systeme darauf spezialisiert oder sind Erweiterungen erforderlich? Spezielle Session Border Controller (SBC) oder Proxy-Systeme helfen Ihnen, Ihre Videokonferenzen abzusichern und blockieren unerlaubte Kommunikationsabläufe oder Attacken. Fragen Sie nach Fähigkeiten zur Überprüfung der Signalisierung, aber auch der Medienströme.

 

Konnektoren

Verbinden Videokonferenz-Anwender mit Anwendern sozialer Netzwerke und Unified Communications-Diensten (wie z.B. Facebook, LinkedIn, Google+, Google Hangouts, Microsoft Skype for Business und andere Unified Communications-Systeme, etc.).

 

Verwaltungssysteme

Betreiben Sie mehrere Videokonferenzsysteme oder Endgeräte für Videokonferenzen? Sind diese zusätzlich auf viele Standorte verteilt? Dann benötigen Sie ein Verwaltungssystem, das Ihnen hilft, Ihre Elemente der Videokonferenzlösung zentral gesteuert einzurichten, die Software auf den Geräten auf dem neuesten Stand zu halten oder Anwenderdaten zu aktualisieren. Separate oder integrierte Werkzeuge helfen Ihnen, vor Ort oder aus der Entfernung Fehler zu suchen und zu beheben. Analyse-Werkzeuge liefern Ihnen Informationen über Auslastungen, Bandbreitenbedarf, Verfügbarkeit von Diensten, Schnittstellen und Systemen.

 

Tipp: achten Sie bei jeder Komponente oder jedem Dienst auf die gleichartige und durchgängige Unterstützung von Protokollen, Codierungstechniken und Bildauflösungen.

 

Weitere Informationen:

Webinar:

Integration von Konferenzsystemen

 

Bücher:

Unified Communications Buyer’s Guide – Deutsche Ausgabe

Auswahl von Videokonferenzsystemen

 

Seminare:

Unfied Communications-Technologie – Teil I

Unified Communications-Technologie – Teil II

Unified Communications – Anforderungen an Netze

SIP-Protokoll – Details

 

Beratung:

Unified Communications Beratungspakete

 

Über den Autor

Ronald Schlager ist unabhängiger Trainer, Consultant, Buchautor und Blogger mit den Schwerpunkten Kommunikationstechnologien und deren Anwendungen.

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Fotoquelle: pixabay.com, Künstler: jraffin