Was ist DECT?

DECT Telefon

DECT – Was ist das? Der folgende Artikel beschreibt Eigenschaften, Standards und Technologie für Telefonie und Datenkommunikation. Wird DECT durch Voice over IP (VoIP) über Wireless Local Area Network (WLAN) abgelöst?

DECT oder „Digital Enhanced Cordless Telecommunications“ ist eine Technologie für Schnurlos-Telefone mit verschiedenen Funktionen, die früher nur für Sprachkommunikation ausgelegt war.

DECT ist ETSI-Standard (European Telecommunications Standards Institute) mit mehr als 250 Dokumenten zur digitalen Sprachübertragung im Inhouse- und PABX-Bereich. Details finden Sie hier: http://www.etsi.org/technologies-clusters/technologies/dect

 

Geschichtliche Entwicklung

Vorläufer von DECT war die analoge Schnurlostelefonie.

Die CEPT (Conférence Européenne des Administrations des Postes et des Télécommunications) spezifizierte in dieser Zeit 2 wichtige Standards:

CEPT CT1 (Cordless Telephone):

Europäischer Standard mit analoger Modulation.

Die Funkübertragung erfolgte über bis zu 40 Kanäle. Die Signalübertragung wurde für Uplink- und Downlink- Frequenzen festgelegt. Der Uplink-Frequenzbereich lag bei 914 bis 915 MHz, der Downlink-Frequenzbereich im Bereich von 959 bis 960 MHz.

CEPT CT1+:

Dieser Standard war eine Weiterentwicklung von CEPT CT1.

Die Funkübertragung wurde auf 80 Kanäle erweitert. Der Uplink-Frequenzbereich lag zwischen 885 und 887 MHz, der Downlink-Frequenzbereich zwischen 930  und 932 MHz.

Die Übertragung von Gesprächen war unsicher (die Gespräche konnten abgehört werden). Eine Umwidmung der damals festgelegte Frequenzbereiche sollte in späteren Jahren für GSM (Global System for Mobile communication) erfolgen.

 

Weiterentwicklung

Um den Markterfordernissen Rechnung zu tragen, erweiterte ETSI die Standards um Datenübertragungsdienste über DECT. Auch die Sprachübertragung über das Internet Protocol (Voice over IP) über DECT ist heute in Einsatz. Das ist speziell wichtig, da die eingesetzten Signalfrequenzen unterschiedlich zu den WLAN-Frequenzen sind.

Die Reichweiten der Funksignalübertragung erlauben den Einsatz in geografisch eingeschränktem Bereich (z.B.: innerhalb eines Firmengeländes oder einer Stadt).

Zusätzliche Standards definieren z.B. Benutzerschnittstellen oder Basisfunktionen, die in kompatiblen Geräten unterschiedlicher Hersteller implementiert sein müssen (Generic Access Profile, GAP). Das erlaubt z.B. das einfache Telefonieren mit einem Mobilteil eines Herstellers über eine Basisstation eines anderen Herstellers. Weitergehende Funktionen (z.B. Rufweiterleitung, Telefonbuchabfrage, Übermittlung von Kurznachrichten) sind oft nicht herstellerübergreifend nutzbar.

 

Einsatz von DECT mit Telefonanlagen oder VoIP

Basisstationen

Im professionellen Umfeld sind DECT-Basisstationen an eine Telefonanlage oder einem VoIP- (Voice over IP) System angebunden. Somit erhalten DECT-Benutzer die (meist) umfangreichen Leistungsmerkmale der Telefonielösung. Der DECT-Sender (Basisstation) wird zum Teil über spezielle Schnittstellen (und Kabel) an das Telekommunikationssystem angeschlossen. Software-Lizenzen sind für jeden DECT-Sender und jedes Schnurlostelefon zu bezahlen.

Telefone

Sind mobile Apparate, die über Sendestation(en) kommunizieren. Unterschiedliche Bauformen(für Büro- oder Industrieumgebung) sind verfügbar.

Die Apparate sind Stand-Alone nur mit einer Basisstation betreibbar oder in das Telefonanlagenkonzept eines Herstellers integriert (ebenfalls über Basisstationen, die an die Telefonielösung unmittelbar oder über Local Area Network (LAN) vernetzt sind.

Die Mobilteile unterstützen meist den GAP- (Generic Access Profile) Standard.

 

Technologie

Typische Eigenschaften der DECT-Technik

DECT wurde für den Einsatz auf kleinen Flächen mit hoher Benutzerdichte entwickelt. Die maximale Bewegungsgeschwindigkeit ist mit 20 km/h festgelegt. Die Beschränkung ist durch die eingesetzte Funktechnologie gegeben.

DECT ist ein dezentrales System, bei dem es keine speziell vorgesehenen Up- und Downlink-Frequenzen gibt. Jeder der definierten 10 Kanäle ist sowohl für Uplink- als auch Downlink-Übertragung nutzbar.

Zwei Betriebsmodi sind spezifiziert:

  • Stand-Alone mit Basisstation oder
  • Betrieb einer Basisstation in Verbindung mit einer Telefonielösung.

Spezielle Adapter erlauben die Integration von Ethernet- oder V.24-Endgeräte

 

Für Europa ist der Frequenzbereich von 1880 bis 1900 MHz für DECT-Anwender exklusiv reserviert. Zur Übertragung von Gesprächen stehen 120 Duplex-Kanäle zur Verfügung. Die durchschnittliche Sendeleistung beträgt 10 mW in Europa, die maximale 250 mW (24 dBm).

 

Standardisierung

Common Interface (CI) ETSI EN 300 175:

Ist ein allgemeiner ETSI-Standard aus mehreren Teilen. Auch die Zusammenarbeit zwischen DECT und GSM- bzw. DECT und UMTS wurde spezifiziert.

DECT Packet Radio Service (DPRS)

Ist für Datenraten bis 840 kbps bzw. 5 Mbps, je nach Modulationstechnik, festgelegt.

Profile

Profile definieren gemeinsame Funktionen und Parameter von Geräten.

Ein Beispiel: Generic Access Profile (GAP), ETSI EN 300 444, definiert die Schnittstelle zwischen dem Schnurlostelefon und der Basisstation. Es erlaubt den Betrieb von DECT-Schnurlosapparaten unterschiedlicher Hersteller mit einer gemeinsamen Basisstation.

Beispiele für weitere definierte Profile:

  • Public Access Profile (PAP)
  • Radio in the Local Loop Access Profile (RAP)
  • DECT Packet Radio System (DPRS)
  • DECT Multimedia Profile (DMAP)
  • Multimedia in the Local Loop Access Profile (MRAP)
  • Data Service Profiles (DSP)
  • ISDN Interworking Profiles (IIPs)
  • CTM (Cordless Telephone Mobility) Access Profiles (CAP)
  • DECT/GSM (Global System for Mobile communication) Interworking Profile (GIP)
  • DECT/UMTS (Universal Mobile Telecommunications System) Interworking Profile (UIP)

 

CAT-iq (Cordless Advanced Technology – internet and quality)

Ist eine Reihe von ETSI-Standards für im Rahmen des DECT-Systems und soll die Verknüpfung von ISDN- und IP-Technik mit höherer Sprachqualität (HD-Voice) und höheren Datenraten erleichtern.

 

Zukünftige Entwicklung – DECT oder WLAN?

Es stellt sich die Fragen, ob die Ablöse von DECT durch „Voice over Wireless Local Area Network“ (VoWLAN) bevorsteht:

Viele Anwender bauten in der Vergangenheit Wireless Local Area Network- (WLAN-) Infrastrukturen auf. Sie übertragen interne und externe Gesprächen häufig bereits über „Voice over IP“ (VoIP) und wollen nun die gleiche WLAN-Infrastruktur auch für Sprachübertragung einsetzen.

Herausforderung: ein Wireless Local Area Network (WLAN) ist allgemein ein „Shared Media-LAN“ ohne Qualitätsgarantie, die aber für Sprachübertragung wichtig wäre.

Lösung: moderne Wireless Local Area Networks (WLANs) unterstützen Priorisierungsfunktionen (laut Standard IEEE 802.11 des Institute of Electrical and Electronics Engineers, IEEE) für Sprache, Video oder zeitkritischen interaktiven Datenverkehr.

Alternativ wollen Kunden die DECT-Funktechnik beibehalten, aber die digitalisierte Sprache über das Internet Protocol und die DECT-Funktechnik übertragen. Dann spricht man von „Voice over IP over DECT“. Somit sollen die DECT-Vorteile wie Qualität, Zuverlässigkeit, geschützte Frequenzen,etc. erhalten bleiben. Es ist von Fall zu Fall zu überprüfen, ob Sonderfunktionen wie Totmannschaltungen oder Apparate mit robustem, spritzwasserdichtem Gehäuse erforderlich und verfügbar sind.

 

Was denken Sie? Glauben Sie an DECT oder haben Sie schon auf VoWLAN umgestellt? Welche Erfahrungen haben Sie gesammelt? Bitte hinterlassen Sie einen Kommentar! Vielen Dank.

 

Links:

Bücher:

Selecting Mobile Device Management Systems

 

Seminare:

Informationen zu unseren aktuellen Seminaren über Mobilfunk-Technologien finden Sie hier…

Standards:

http://www.etsi.org/

http://www.etsi.org/technologies-clusters/technologies/dect

https://standards.ieee.org/downloads/

 

Über den Autor

Ronald Schlager ist unabhängiger Trainer, Consultant, Buchautor und Blogger mit den Schwerpunkten Kommunikationstechnologien und deren Anwendungen.

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