Wie Sie Microsoft Skype for Business mit PSTN und PABX verbinden

Skype

Microsoft Skype for Business ist eine weitverbreitete Lösung für Telefonie, Videokonferenzen, Instant Messaging und viele andere Kommunikationsdienste. Je nach Einsatzfall sind unterschiedliche Kopplungsvarianten mit öffentlichen Telefonnetzen (PSTN) und privaten Telefonanlagen (PABX) verfügbar. Der folgende Artikel beschreibt diese Varianten und gibt Ihnen Tipps, worauf Sie bei der Planung und Auswahl von Lösungen achten sollten.

 

Allgemeines

Die Anschaltung an traditionelle öffentliche Telefonnetze ist noch solange erforderlich, bis die Provider reine SIP-Anbindungen unterstützen und in ihren eigenen Netzen Gateways zu den älteren Telefonnetzen anderer Provider einsetzen. Später sollte jeder Provider nur noch Voice over IP-Dienste anbieten.

 

Für private Anwender stellt sich häufig die grundsätzliche Frage, ob sie einen Parallelbetrieb einer traditionellen privaten Telefonanlage bzw. einer VoIP-Lösung und einer z.B. Microsoft Skype for Business-Lösung wünschen. Dieser Beitrag geht auf die Problematiken dieser Betriebsform nicht ein. Der vorliegende Beitrag geht davon aus, dass diese Kopplungen erforderlich sind und beschreibt die verschiedenen Möglichkeiten.

 

Kopplungsvarianten

 

PSTN-Gateway

Ein PSTN-Gateway ist ein Gerät, das die Microsoft-Lösung mit dem öffentlichen Telefonnetz (PSTN steht für Public Switched Telephone Network) oder einer privaten Telefonanlage (Private Automatic Branch Exchange, PABX) verbindet. Zertifizierte Drittanbieter stellen diese Produkte zur Verfügung, da Microsoft diese Komponente selbst nicht anbietet.

 

Die Schnittstellen zum PSTN oder einer PABX sind analog oder digital ausgeführt. Eine digitale ISDN-Schnittstelle wird als Euro-ISDN-Basisanschluss mit max. 2 gleichzeitigen Verbindungen oder Euro-ISDN-Primärmultiplexanschuss mit max. 30 gleichzeitigen Verbindungen angeboten. Die tatsächlich verfügbare Anzahl max. gleichzeitiger Verbindungen hängt einerseits von der technischen Fähigkeit der gekoppelten Systeme und von der Lizenzenzierung des Gateways bzw. Vertragsvereinbarung mit dem Provider ab.

 

Die PBX-Kopplung kann über analoge Schnittstellen (z.B. mit Inline Dual Tone Multifrequency, DTMF, Mehrfrequenz-Tonwahl) oder Zeitmultiplex (Time Division Multiplexing, TDM) T1- (1,544 Mbps) oder E1- (2,048 Mbps) Schnittstellen und ECMA QSIG- (Q-Interface Signalling) Protokoll erfolgen (Quelle: https://technet.microsoft.com/en-us/library/ee681657.aspx). Fragen Sie Ihren Anbieter nach den unterstützten Leistungsmerkmalen.

 

Tipp: Achten Sie bei der Planung und Auswahl der Lösung auf den verfügbaren Funktionsumfang, die Lizenzierung der Geräte und den Support durch den Provider.

 

Microsoft weist im zitierten Dokument (siehe Quellenangabe am Ende des Blogs) ausdrücklich darauf hin, dass PSTN-Gateways und andere Elemente nur von ausgewählten Partnern getestet und zertifiziert sind (aufgelistet im Unified Communications Open Interoperability Program – Skype for Business Server).

 

SIP-Trunk

Alternativ zu PSTN-Gateways ist die Kopplung der Microsoft-Lösung mit öffentlichen Providern und Hybrid- sowie reinen VoIP-Enterprise-Lösungen über SIP-Trunks realisierbar.

 

SIP (Session Initiation Protocol, RFC 3261) erlaubt die unmittelbare Übertragung der Signalisierungsinformationen zwischen SIP-Clients, SIP-Servers und SIP-fähigen Gateways ohne Protokoll-Übersetzung und damit größerem Funktionsumfang.

 

Ein SIP-Trunk zum Provider unterstützt Durchwahlen bei Anrufen (Einwahl) aus dem öffentlichen Netzwerk oder Anrufe aus der SIP-fähigen Lösung an Teilnehmer im öffentlichen Netz (Auswahl) mit Wahl eines Ziels mit ITU-T E.164-Rufnummer.

 

Ein SIP-Trunk zu einer anderen internen VoIP-Lösung erlaubt wechselweise Anrufe in die jeweils andere Telefoniewelt. Welche Leistungsmerkmale in der jeweils anderen Welt verfügbar sind, hängt von den implementierten Funktionen ab. Siehe RFC 5359 (Session Initiation Protocol Service Examples) für häufig genutzte Zusatzdienste (Supplementary Services)

 

Fragen Sie Ihren bevorzugten öffentlichen Provider, ob er SIP-Trunking bereitstellt. Bei der Kopplung mit privaten VoIP-Lösungen muss diese ebenfalls SIP-Trunking-Funktionen unterstützen.

 

Tipp: Bei all den genannten Kopplungsvarianten darf auf die Unterstützung der jeweils nationalen und internationalen Notrufvarianten nicht vergessen werden. RFC 6881 (Best Current Practice for Communications Services in Support of Emergency Calling) beschreibt unterschiedliche Lösungen.

 

 

Artikelquelle (teilweise): „Komponenten für die PSTN‐Konnektivität in Skype for Business Server 2015“ https://technet.microsoft.com/library/gg398504.aspx

Quelle Beitragsbild: www.pixabay.com, Künstler: kpgolfpro

 

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Über den Autor:

Ronald Schlager ist unabhängiger Trainer, Consultant, Buchautor und Blogger mit den Schwerpunkten Kommunikationstechnologien und deren Anwendungen.

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