IP-Videoüberwachung: Bedarfserhebung

Videosurveillance

Videoüberwachung ist in vielen Bereichen in Einsatz. Abgesehen von rechtlichen Aspekten gibt es viele technische Details bei der Planung einer Überwachungslösung zu klären.

Der folgende Artikel beschreibt einige wesentliche Punkte der Bedarfserhebung.

Ziele der Videoüberwachung

Fragen Sie sich, was Sie mit der Videoüberwachung erreichen wollen und definieren Sie dafür Ziele. Bedenken Sie, dass sich rechtliche Rahmenbedingungen rasch ändern können. Was heute verboten ist, kann morgen legal sein. Überlegen Sie, welche Auswertungen notwendig sind. Versuchen Sie viele der Videoanalysen und -überwachungsaufgaben zu automatisieren. Heute verfügbare Lösungen unterstützen eine Reihe von Funktionen, die vor einigen Jahren noch undenkbar waren.

Videoanalyse: Einsatzbeispiele

Das Herzstück der modernen Videoüberwachung sollte die Videoanalyse sein. Was kann heute analysiert werden? Hier ein paar Beispiele:

  • Automatische Verfolgung von Personen im Mengengewühl öffentlicher Plätze.
  • Automatische Unkenntlichmachung von Gesichtern.
  • 3D-Analysen von Gebäuden oder Objekten zur Ortung und Ientifikation „herrenloser“ Gepäckstücke oder Darstellung von Wegen eines Objekts im Raum.
  • Einfahrtskontrolle über Autonummern und Fahrergesichtserkennung.
  • „Grenzenlose“ Übertragung von Videobildern an unterschiedliche Monitore oder Videorekorder.
  • Darstellung von Videos auf Smartphone-Displays oder extrem großen Displays mit exzellenter Auflösung.
  • Kameraführung mit Drohnen in unwegsamen Gelände.

 

Umgebung, Bildinhalte

Überprüfen Sie die Gelände- bzw. Gebäudebedingungen. Wie groß sind die Sichtweiten? Wo kann durch Nebel oder Schneefall die Sicht beeinträchtigt sein? Sind Bachläufe in unmittelbarer Umgebung? Sind Laubbäume oder Wasseroberflächen zu filmen? Sind Spiegelungen auf glatten Oberflächen zu erwarten? Kann Ihre Videoüberwachungslösung sabotiert werden?

Sie fragen sich vielleicht, was diese Fragen mit Ihrer Videoüberwachungslösung zu tun haben? Nun, z. B. die Laubbäume bewegen ihre Blätter im Wind. Je nach Digitalisierungs- (Codierungs-) technik kann diese unruhige Bildgestaltung zu erhöhtem Bandbreitenbedarf im Netzwerk oder schlechterer Bildqualität führen. Das gleiche gilt für Wasseroberflächen ganz allgemein. Spiegelt sich auch noch die Sonne im Wasser, schließt die automatische Blende des Objektivs die Öffnung und die Umgebung rund um die Spiegelung ist nicht mehr sichtbar. Einige Lösungen erkennen Lichtspiegelungen oder extrem starke Lichtquellen (z.B. bei Feuerstellen) und filtern elektronisch das Licht dieser Quellen, damit die Umgebung weiter klar erkennbar ist.

Gesetze, Vorschriften

Sind in Ihrer Branche oder Ihrem Unternehmen spezielle Vorschriften für Videoüberwachung zu beachten? Gibt es anwendungs- oder branchenspezifische Auflagen oder Richtlinien? Welche Gesetze (wie z.B. das Datenschutzgesetz oder die General Data Protection Regulation (GPDR)) sind zu beachten? Welche nationale Vorschriften zu beachten?

Speichern und Archivieren

Wollen Sie die Videos der Videoüberwachungsanlage abspeichern? Wenn ja, was soll oder darf mit diesen Aufzeichnungen geschehen? Warum wollen Sie die Videos für später archivieren? Was kann später mit den Aufzeichnungen passieren?

Wer ist berechtigt, die live aufgenommenen oder aufgezeichneten Videos zu betrachten? Wer oder was darf die Videos im Detail analysieren? Welche Art der Analyse (z.B. mit Einzelbildern, Ausschnitte aus Einzelbildern, Videosequenzen, Bewegungsabläufe, Gesichter, Körper, Formen, Gebiete,….) ist erforderlich oder kann zukünftig gewünscht werden? Wohin soll oder darf eine Aufzeichnung übertragen und gespeichert werden? In welchen Formaten? Mit welchen Zusatzinformationen (Beschreibungen, technische Detailinformationen zur Aufnahmetechnik, Orts- und Zeitangaben,…). Ist eine Zusammenführung und Synchronisation verschiedener Videos unterschiedlicher Quellen und Daten erforderlich (Korrelation)?

Erkennen von Ereignissen, Konsequenzen

Wurden Ereignisse erkannt, die Aktivitäten auslösen sollten? Wer soll wie alarmiert werden? Welche Wege sind zu nutzen, um Alarme zu übertragen? Welche Zeit darf vergehen, bis Alarme das Ziel erreichen? Welche Alarmformate sind einzuhalten? Sind Alarmserver zu integrieren? Wie sind die Schnittstellen gestaltet? Welche Protokolle sind erforderlich?

Umweltbedingungen

Welche Umweltbedingungen sind zu beachten? Wollen Sie die Videoüberwachungslösung im Freigelände, einer Büroumgebung oder in z.B. der Fertigung einsetzen? Ist mit Erschütterungen (durch Erdbeben, Fahrzeuge, Bewegungen) zu rechnen? Welche klimatischen Bedingungen (Temperatur, Feuchtigkeit, Wind, Sonneneinstrahlung, elektromagnetische Felder,…) werden vorherrschen?

Visualisierung

Wie erfolgt die Visualisierung der Videos? Benötigen Sie Monitore oder Videowalls? Wieviele Videoströme sind gleichzeitig darzustellen? Aus welcher Entfernung sollen die Videos betrachtet werden? Welche technische Unterstützung sollen die Systeme dem Betrachter bieten (z.B. mit eingezeichneten Grenzen, gegangenen Wegen, markierten Gesichtern, Personen oder Gegenständen, interaktive Steuerung von Kameras oder Bildsequenzen, Zoomen oder Schwenken,….)?

Schnittstellen und Protokolle

Welche Schnittstellen zu anderen Systemen sind erforderlich? Sind Videokomponenten in Netzwerke zu integrieren? Welche Protokolle sind zu unterstützen (im Netzwerk, zur Steuerung von Kameras, zur Verbindungssteuerung von Medienströmen,…)

Welche Leitsysteme stehen zur Verfügung? Wie erfolgt die Integration mit den Leitrechnern? Welche sonstigen Software-Schnittstellen sind erforderlich (z.B. zu Datenbanken, Cloud-Services, Telefonanlagen, analoge Videosysteme, Videoadapter,…)

Muss ich, und wenn ja, wie kann ich die Lösung in das Facility Management integrieren? Sind Schnittstellen zu Einbruchwarnsystemen, Überfallsalarmanlagen, Feueralarmsysteme, und andern Sicherheitssysteme (z.B. von Behörden) erforderlich? Welche externen Stellen sollen oder dürfen auf die Videoüberwachungslösung in welchem Umfang zugreifen dürfen? Wie kann ich die Lösung vor Vandalen, Cyberkriminellen, Hackern oder diversesten Schadprogrammen schützen?

Wie definieren Sie Ihre Anforderungen? Was ist für Sie besonders wichtig? Welche Erfahrungen haben Sie gesammelt? Schreiben Sie mir über Ihre Erfahrungen als Beiträge zu diesem Artikel.

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Resourcen

Links zum Thema

Seminar „Videoüberwachung über IP“
Seminar „Unified Communications – Anforderungen an Netze“
Seminarunterlagen „IP-based Video Surveillance“
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Über den Autor

Ronald Schlager ist unabhängiger Trainer, Consultant, Buchautor und Blogger mit den Schwerpunkten Kommunikationstechnologien und deren Anwendungen.

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