Konferenzsysteme – Konzepte und Lösungen

Videokonferenzsysteme

In meinem Artikel „Einsatz von SIP für Multimedia-Konferenzen“ habe ich bereits ausführlich über Konzepte für Konferenzsteuerung und Medienstromübertragung berichtet.

Im aktuellen Beitrag will ich auf Lösungsvarianten eingehen. Je nachdem, welche Telefonie-Strategie Sie für Ihr Unternehmen verfolgen, sind unterschiedliche Lösungen denkbar.

Vielfalt der Lösungen

Am Weltmarkt gibt es eine ganze Reihe von Herstellern und Dienstleistern, die Konferenzlösungen anbieten.

Als Zielgruppen sind zu unterscheiden: Provider, große, nationale oder internationale Firmenkunden, Klein- und Mittelbetriebe oder private Anwender.

Nur Audio, oder auch Video und Daten / Dokumente?

Videokonferenzsysteme

Buch: Auswahl von Videokonferenzsystemen

Lösungen sind verfügbar für reine Audio- (Telefon-) Konferenzen, Videokonferenzsystem (inkl. Audio), Systeme, mit denen gemeinsam Dokumente angesehen und / oder bearbeitet werden können, Lösungen zur Durchführung von Seminaren über das Internet (Webinare) mit Teilnehmer-Interaktion und Lösungen zum Vortragen vor sehr vielen Teilnehmern (bestenfalls mit beschränkter Teilnehmer-Interaktion).

In bereits veröffentlichten Artikeln berichtete ich über Auswahlkriterien für Videokonferenzsysteme (siehe Teil 1, Teil 2, Teil 3). Einige Beispiele für Anbieter von Videokonferenzsystemen finden Sie in Teil 4 und Teil 5.

On-Premise oder Cloud?

Für Firmen mit eigener Infrastruktur sind Erweiterungen der bestehenden IP-basierende Serverlösung verfügbar. Fremdhersteller bieten Konferenz-Gateways an, die mit der Serverlösung harmonieren und diese ergänzen. Diese Lösungen basieren teilweise auf Open Source-Implementierungen oder sind herstellerspezifische Produkte. Standalone-Lösungen als eigenständige Infrastruktur sind über IP- oder andere Schnittstellen mit dem Telefoniesystem zu koppeln. Seit einigen Jahren boomen Cloud-basierende Lösungen.

Festnetz, Mobilfunk oder Voice over IP?

Anwender steigen in die Konferenz über Festnetz und Mobilfunk, verstärkt aber auch per Voice over IP über das Internet, ein. Bei ersterem reicht ein normaler Telefonapparat oder ein Mobiltelefon, bei zweitem ist ein VoIP-fähiges Endgerät (z.B. Desktop-Computer mit VoIP-Client-Software, IP-Apparat, Smartphone mit VoIP und WLAN) erforderlich.

Standard-Apparat oder Spezial-Lösung?

Einige der Lösungen unterstützen nur Standard-Telefonapparate, mit denen sich die Teilnehmer in eine Konferenz-Plattform einwählen, andere Lösungen unterstützen nur bestimmte Mobiltelefone. Wieder andere Lösungen erfordern die Installation spezieller Software auf den mobilen Geräten oder den Desktop-Computern. Die Einwahlnummern sind entweder weltweit oder beschränkt auf bestimmte Länder verfügbar. Kostenlose („Toll free“) Einwahlnummern werden nur in bestimmten Ländern angeboten. Die Anwahl eines Teilnehmers aus der Konferenz bieten manche Anbieter als besondere Funktion an.

Was beeinflusst die Sprachqualität?

Die Sprachqualität kann je nach Lösung stark variieren und hängt von vielen Faktoren ab. Achten Sie in jedem Fall auf „HD-Voice“-Qualität. Technisch gesprochen sind Paketverluste, Paketlaufzeiten, Laufzeitunterschiede oder die eingesetzte Sprachdigitalisierungstechnologie („Codec“) entscheidend, wie sich ein Telefonat „anhört“. „High Definition“- (HD-) Qualität erreichen Sie mit Codierungstechniken wie z.B. ITU-T H.G722 und anderen Verfahren. Aber auch andere Faktoren wie die Anzahl von Verbindungsaufbauversuchen, die fehlgeschlagen sind, oder Verbindungsabrüche, wirken störend. Daher ist die zugrundeliegende Netzwerktechnik besonders zu achten. Ein Beispiel: belastete Wireless Local Area Networks führen zu häufigen Paketverlusten und damit zu schlechter Sprachqualität. Genauso kann die Überlastung eines Telefonie-Servers (z.B. bei virtualisierten Lösungen) zu Sprachaussetzern und damit zu Verständigungsproblemen beitragen.

Wie gut ist die Videoqualität?

Die Videoqualität ist zusätzlich zu den bereits zuvor genannten Netzwerkparametern noch mehr von der Codierungstechnik abhängig. Heutige Lösungen sollten HD-Video-Qualität unterstützen und Standards wie ITU-T H.264 oder besser noch ITU-T H.265 (in etwa gleiche Bildqualität wie bei H.264, aber viel geringerer Bandbreitenbedarf).

Gebühren, Systemkosten

Verrechnete Gebühren sind genauso vielfältig wie die Angebote selbst. Telefonie-Provider verlangen meist einen Minutenpreis je Verbindung zur Konferenzeinrichtung, Cloud-Telefon- und Videokonferenzanbieter bietet das Service meist für wenige Teilnehmer gratis an. Preise sind dann meist nach Anwenderzahl oder pro Paket von Leistungsmerkmalen gestaffelt. Versteckte Kosten können durch Gebühren der Plattform pro Verbindungsminute oder in Abhängigkeit der Anwender entstehen. Preise für Appliances sind meist nach Leistungsfähigkeit der Hardware, Anzahl der Benutzer oder Schnittstellen-Ausstattung gestaffelt.

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Weitere Informationen:

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Integration von Konferenzsystemen

 

Bücher:

Videokonferenzsysteme

Buch: Auswahl von Videokonferenzsystemen

Unified Communications Buyer’s Guide – Deutsche Ausgabe

Auswahl von Videokonferenzsystemen

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Unfied Communications-Technologie – Teil I

Unified Communications-Technologie – Teil II

Unified Communications – Anforderungen an Netze

SIP-Protokoll – Details

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Über den Autor:
Ronald Schlager ist unabhängiger Trainer, Consultant, Buchautor und Blogger mit den Schwerpunkten Kommunikationstechnologien und deren Anwendungen.

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