Videokonferenzsysteme: Auswahl – Teil 2

Videokonferenzsysteme

Beschäftigte sich der Teil 1 dieser Artikelserie mit grundsätzlichen Fragen, die bei der Auswahl eines Videokonferenzsystems auftreten, so behandelt der Teil 2 die eher technische Seite der Auswahlkriterien inklusive der Entscheidung, ob eine On-Premise-Lösung oder ein Cloud-Dienst für Sie in Frage kommt. Der später folgende Teil 3 dieser Artikelserie behandelt Sicherheitsaspekte, Verwaltungsaufgaben und die Kosten von Videokonferenzsystemen.

Videokonferenzsysteme On-premise oder Cloud?

Die grundsätzliche Frage, ob für Sie eher eine On-premise- oder eine Cloud-Lösung passend ist, ist nicht einfach zu beantworten.

Wollen Sie Videodienste rasch einführen und mit fixen Kosten pro Benutzer und Monat kalkulieren, bieten sich Videokonferenz-Cloud-Dienste an. Außerdem sind Sie und Ihr Unternehmen Nutzer der Dienste und nicht für z.B technische Funktion, Verfügbarkeit oder Lizenzfragen verantwortlich. Soll die Lösung sehr eng mit Ihrer Business-Telefonie gekoppelt sein (z.B. eine gemeinsame Datenbank zur Benutzerverwaltung für die IT, Telefonie und Videokommunikation) ist eine Inhouse-Videokonferenzlösung für Sie besser geeignet. Außerdem legen Sie bei dieser Lösungsvariante die verfügbaren Dienste für Ihre Anwender und die Sicherheit der Videokonferenzlösung selbst fest. Sie sollten jedoch über die entsprechenden Resourcen in Ihrem Unternehmen (z.B. Server, Clients, Netzwerkinfrastruktur, Mitarbeiter, Finanzen, usw.) verfügen.

Videokonferenzsysteme

Buch: Auswahl von Videokonferenzsystemen

Wollen Sie interne und externe Partner gleichermaßen integrieren, achten Sie auf die Technik zur Integration mobiler Geräte (wie Smartphones und Tablets), aber auch auf die Integration von Tischapparaten und Softphones im Haus. Ihr Videokonferenzsystem sollte die bei Ihnen eingesetzten und andere gängige Smartphone-Plattformen (iOS, Android,…) unterstützen. Fragen Sie Ihren Lieferanten Ihres Device Management Systems nach Einflüssen auf Ihre Videokonferenzlösung.

Codierungstechnik, Browser-Support, Einbindung von Fremdkameras

Im ersten Artikel dieser Blog-Serie habe ich bereits über die Linsenqualität der Videokameras kurz berichtet. Die Video-Codierungstechnik bestimmt die Bildqualität ebenfalls mit. Außerdem ist davon der Bandbreitenbedarf von Videoübertragungen im Netzwerk abhängig. Heutige Videokonferenzsysteme unterstützen Standards wie ITU-T H.264 oder ITU-T H.265. Der Unterschied zwischen beiden Varianten besteht im Wesentlichen in der besseren Bildqualität und –auflösung bei gleichzeitig geringerem Bandbreitenbedarf bei ITU-T H.265-Implementierungen.

Einige am Markt verfügbare Videokonferenzsysteme erlauben die Nutzung der Videokonferenz direkt aus dem Browser, da sie den Standard WebRTC unterstützen. Welchen Vorteil Sie davon haben? Sie benötigen keine spezielle Software im Computer, sondern nur einen Webbrowser. Damit lassen sich auch Ihre Firmen-Smartphones, die mobilen Privatgeräte (Stichwort: Bring Your Own Device, BYOD) und die der externen Partner einfach in Ihr Videokonferenzsystem integrieren.

Sie wollen Fremdkameras in Ihre Videokonferenzlösung einbinden? Fragen Sie Ihren Anbieter, welche Kameratypen seine Lösung unterstützt. Kann es sein, dass Sie auch Kameras oder andere Komponenten Ihrer Videoüberwachungslösung integrieren wollen? Welche Video-Wechselsprechanlage haben Sie heute in Verwendung? Soll diese mit der Videokonferenzlösung zusammenarbeiten?

Benutzerverwaltung

Läßt sich die Benutzerverwaltung der Telefonielösung mit der Verwaltung des Videokonferenzsystems verbinden? Nutzen beide das gleiche Datenbanksystem oder können Sie eine gemeinsame Datenbank für beide Systeme nutzen? Wollen Sie Kontaktdaten aus Ihrer Telefonielösung, aus Facebook, Google Talk oder anderen sozialen Netzen integrieren? Sind Sie am Export oder Import von Kontaktdaten interessiert?

Benutzerfreundlichkeit der Videokonferenzsysteme

Achten Sie auf die Benutzerfreundlichkeit der Videokonferenzsysteme. Testen Sie die Funktionalität und Bedienbarkeit in einem Probebetrieb. Achten Sie zum Beispiel auf den Aufwand zum Aufbau einer Konferenzschaltung. Laden Sie weitere Konferenzteilnehmer (z.B. Mobiltelefone) zu einer bestehenden Konferenz ein. Versuchen Sie eine Sitzung durch eine zentrale Stelle zu steuern. Überlegen Sie, welche Anwendungsfälle und Situationen entscheidend für Sie sind.

Sitzungssteuerung

Wie erfolgt die Sitzungssteuerung in Ihrer bestehenden Business-Telefonielösung? Welche Verfahren unterstützt Ihr Provider? Nutzen Sie Trunks zu Anbietern, die Ihre Signalisierung zu anderen Firmenstandorten oder externen Partnern weiterleiten? Nutzen Sie die Rufkontrolle nach dem Standard ITU-T H.323? Setzen Sie das Session Initiation Protocol (SIP) oder ein proprietäres Signalisierungsverfahren ein? Achten Sie auf eine gleichartige Rufkontrolle in Ihrem Videokonferenzsystem. Setzen Sie eine durchgehende Signalisierung und Dienstnutzung für Telefonie, Fax, Instant Messaging, Datasharing und Videokonferenzen ein. Verhindern Sie Signalisierungs- und Medienbrüche. Umsetzungen von einem Verfahren zu einem anderen bedeuten meist Verlust an Dienstoptionen, Beschränkung in der Verfügbarkeit, der Dienstqualität, der Sicherheit (siehe Teil 3 dieser Artikelserie) und der Reichweite (speziell über Weitverkehrsnetze).

ISDN-Gateways

Wollen Sie Konferenzteilnehmer aus der traditionellen Telefonwelt (analoge oder digitale Teilnehmer) in Sitzungen integrieren? Achten Sie auf die unterstützte Art und maximale Anzahl an ISDN-Anschlüssen der Konferenzlösung oder eines passenden ISDN-Gateways. Je nach notwendiger Bandbreite im ISDN sind für eine Videositzung ein Kanal, zwei, oder bis zu 30 Kanäle erforderlich. Überlegen Sie, wie viele gleichzeitige Sitzungen Sie über ISDN maximal betreiben werden und errechnen Sie damit, wie viele ISDN-Kanäle gleichzeitig erforderlich sind. Daraus lässt sich die Anzahl an ISDN-Basisanschlüssen (mit je maximal 2 Kanälen je nach Konfiguration und Provider) und ISDN-Primärmultiplexanschlüssen (mit je maximal 30 Kanälen je nach Konfiguration und Provider) für Ihre ISDN-Gateways errechnen.

Je nach Tiefe der Integration des Videokonferenzsystems in Ihre ISDN- oder Voice over IP-Lösung kann der Einsatz einer „QSIG“-Anbindung von Vorteil sein („Q-Interface Signalling“ dient zur heterogenen Vernetzung von Telefonvermittlungssystemen).

Maximale Anzahl an Standorte

Definieren Sie die maximale Anzahl der unterstützten Standorte, an denen Sie Videokonferenzdienste anbieten wollen. Denken Sie dabei langfristig und schließen Sie die zukünftige Entwicklung Ihres Unternehmens, den Bedarf Ihrer Mitarbeiter und die rasante Entwicklung des Marktes mit ein. Beschränken Sie dabei die Standorte nicht nur auf Ihr Unternehmen sondern achten Sie auch auf bestehende und potentielle Kunden, die intensiv mit Ihnen zusammen arbeiten (und die Sie mit Videokonferenzen enger an Ihr Unternehmen binden oder deren Videokonferenzsysteme integrieren).

Der folgende dritte Teil behandelt hauptsächlich die Sicherheit, die Verwaltung und die Kosten von Videokonferenzsystemen.

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Weitere Informationen:

Webinar:

Integration von Konferenzsystemen

Videokonferenzsysteme

Buch: Auswahl von Videokonferenzsystemen

Bücher:

Unified Communications Buyer’s Guide – Deutsche Ausgabe

Auswahl von Videokonferenzsystemen

Seminare:

Unfied Communications-Technologie – Teil I

Unified Communications-Technologie – Teil II

Unified Communications – Anforderungen an Netze

SIP-Protokoll – Details

Beratung:

Unified Communications Beratungspakete

Standards:

IETF RFC 3261 Session Initiation Protocol (SIP)
ITU-T H.264

ITU-T H.265
ITU-T H.323

Über den Autor:
Ronald Schlager ist unabhängiger Trainer, Consultant, Buchautor und Blogger mit den Schwerpunkten Kommunikationstechnologien und deren Anwendungen.

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